Studienfianzierung

Werkstudenten

Wenn das Studium vor dem Job den Vorrang behält, können Studierende von einigen Beiträgen zur Sozialversicherung befreit werden und dadurch Geld sparen.

Zuerst prüft man, ob Versicherungsfreiheit deshalb besteht, weil eine kurzfristige Beschäftigung (gemäß § 8 Absatz 1 Nr. 2 und § 115 Sozialgesetzbuch - Viertes Buch) ausgeübt werden soll.

Wollen Studierende jedoch dauerhaft neben dem Studium jobben, ist ihre Tätigkeit nur dann sozialversicherungsfrei ("Werkstudentenprivileg"), wenn ihr Studium die Hauptsache und die Beschäftigung die Nebensache bleibt. Bewertet wird das durch die 20-Stunden-Regel.

Studierende (und Arbeitgeber) zahlen dann keine zusätzlichen Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, und zwar unabhängig von der Höhe des Einkommens. Beiträge zur Rentenversicherung müssen allerdings geleistet werden.

Hinweis: Durch die Beschäftigung wird kein Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben. Außerdem besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit nur für maximal sechs Wochen. Danach zahlt die gesetzliche Krankenversicherung kein Krankengeld.

Tipp: Das Bundesurlaubsgesetz gilt auch für Werkstudenten!

Achtung: Alle Studierenden müssen – unabhängig von ihrem Job – in einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung versichert sein. Vor Aufnahme jeglicher Beschäftigung muss die Krankenkasse informiert werden.

Arbeitgeber melden neue studentische Mitarbeiter/innen - innerhalb von sechs Wochen nach dem ersten Arbeitstag - bei der Krankenkasse an, bei der die Studierenden versichert sind.

Wichtig: Die Familienversicherung über die Eltern bleibt nur bestehen bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung (450-Euro-Job) oder bei einem monatlichen Einkommen von maximal 445 Euro (Stand: 2019). Über den Einzelfall berät die Krankenkasse.

Folgende Paragrafen bilden die gesetzliche Grundlage:

  • § 27 Absatz 4 Satz 1 Nummer 2 Sozialgesetzbuch - Drittes Buch
  • § 6 Absatz 1 Nummer 3 Sozialgesetzbuch - Fünftes Buch
  • § 1 Absatz 2 Satz 1 Sozialgesetzbuch - Elftes Buch
  • § 10 Absatz 1 Nummer 5 Sozialgesetzbuch - Fünftes Buch
  • § 20 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 Sozialgesetzbuch - Elftes Buch

20-Stunden-Regel

Die Werkstudentenregelung gilt nur für Studierende, die während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Dann ist die Voraussetzung erfüllt, dass das Studium gegenüber dem Job im Vordergrund steht. Entschieden wurde das im Urteil des Bundessozialgerichts vom 11.11.2003 - B 12 KR 24/03 R.

ACHTUNG: Mehrere, parallel ausgeübte Beschäftigungen zum Beispiel bei unterschiedlichen Arbeitgebern - auch kurzfristige Beschäftigungen und Minijobs - sowie als Selbstständige/r oder Ehrenamtliche/r werden zeitlich zusammengerechnet!

Hinweis: Die Hochschulausbildung im Sinne des "Werkstudentenprivilegs" endet mit Ablauf des Monats, in dem Studierende offiziell schriftlich über das Gesamtergebnis der Prüfungsleistung informiert werden. Danach ist das Kriterium "ordentliche Studierende" - auch bei fortbestehender Immatrikulation - nicht mehr erfüllt. Studierende werden dann wie reguläre Arbeitnehmer/innen sozialversicherungspflichtig. 

Ausnahmen von der 20-Stunden-Regel

Die 20-Stunden-Grenze kann in Einzelfällen überschritten werden, wenn man

  • überwiegend während der Abend- und Nachtstunden oder am Wochenende (nur in Einzelfällen anhand von Nachweisen möglich!), allerdings im Laufe eines Beschäftigungsjahres (nicht: Kalenderjahres) nicht mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) über 20 Stunden pro Woche oder
     
  • während der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) arbeitet.

Vorausgesetzt wird auch hier, dass das Studium und nicht die Beschäftigung die Lebenssituation primär prägt!

ACHTUNG: Die Krankenkasse entscheidet über die genannten Ausnahmen.

Einkommensteuer

Werkstudenten und Werkstudentinnen sind einkommensteuerpflichtig. Trotzdem dürfte sich im Regelfall keine Steuerbelastung ergeben. Wenn das Arbeitsentgelt (abzüglich insbesondere Arbeitnehmer-Pauschbetrag, Vorsorge-Pauschale) den Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro) nicht übersteigt, kann man die gezahlte Einkommensteuer im Rahmen einer Einkommensteuerveranlagung im Folgejahr zurückerhalten.

Keine Werkstudenten

Sozialversicherungspflichtig wie alle Arbeitnehmer/innen sind Studierende, die

  • während eines Urlaubssemesters oder
  • neben einem Teilzeitstudium oder
  • neben einem Promotionsstudium oder
  • als Teilnehmer/innen an dualen Studiengängen

eine Beschäftigung aufnehmen.

Dasselbe gilt für diejenigen, die nach einem Hochschulabschluss eine Beschäftigung aufnehmen und daneben ein Zusatzstudium in der gleichen Fachrichtung oder ein Ergänzungsstudium absolvieren, das lediglich der beruflichen Weiterbildung oder Spezialisierung dient.

ABER: Wer ein Zweitstudium in einer anderen Fachrichtung oder ein Masterstudium aufnimmt, kann als Werkstudent arbeiten.

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