IBS Newsletter vom 16. Juli 2020

Tipps und Informationen Nr. 7 / 2020

Aus Hochschulen und Studentenwerken

Hochschule Ansbach: Inklusionsstrategie veröffentlicht

Die Hochschule Ansbach hat im Juni ihre Inklusionsstrategie veröffentlicht. Darin benennt die Hochschule eine Reihe von Maßnahmen, um "sowohl Studierenden, als auch Mitarbeitenden mit Behinderung bzw. chronischen Erkrankungen, chancengleiche Grundlagen in Studium und Beruf zu ermöglichen."

Aus den Bundesländern

Sachsen-Anhalt: Neues Hochschulgesetz stärkt Beauftragte für Studierende mit Behinderungen

In das Gesetz neu aufgenommen wurden Regelungen zu Ausstattung und Freistellung der oder des Behindertenbeauftragten. Die Regelung zur Freistellung bestimmt, dass Beauftragte bei Hochschulen mit mehr als 12.000 Hochschulmitgliedern ganz von dienstlichen Aufgaben befreit werden können. Ergänzt wurden die Aufgaben der Studienberatung um die Beratung Studierender mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen über die Barrierefreiheit eines Studienganges oder Einschränkungen der Studierbarkeit.

Sachsen-Anhalt: Zielvereinbarungen 2020-2024 verpflichten zu Inklusion

Die Zielvereinbarungen des Wissenschaftsministeriums und der Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt verpflichten die Hochschulen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und zur barrierefreien Gestaltung des Hochschulbetriebs. Die Hochschulen sollen ihren Beitrag leisten zur gleichberechtigten Teilhabe von Mitarbeiter*innen und Studierenden mit Behinderungen. Das Land werde die Hochschulen durch die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen und entsprechende Finanzierung unterstützen.

Zukunftsvertrag Studium und Lehre - Verpflichtungserklärungen der Länder

Die Länder haben Verpflichtungserklärungen zur Umsetzung des Zukunftsvertrags Studium und Lehre vorgelegt. In diesen legen die Länder nach Konsultationen mit dem Bund individuell Schwerpunkte und Maßnahmen fest, mit denen sie die Ziele des Zukunftsvertrags in den Jahren 2021 bis 2027 erreichen wollen. Hessen und Thüringen adressieren dezidiert auch Inklusion als Teilziel bei der Steigerung der Qualität von Studium und Lehre.

Aus Politik und Verwaltung

FDP: Menschen mit Behinderungen in außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Die FDP-Fraktion fordert in einem Antrag die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu stärken. In diesen Einrichtungen seien Menschen mit Behinderungen derzeit unterrepräsentiert. Die Stärke einer inklusiven Gesellschaft müsse sich auch in der Diversität der Beschäftigten in öffentlichen Einrichtungen widerspiegeln, begründet die Fraktion ihre Initiative. Die Bundesregierung soll die außeruniversitären Forschungseinrichtungen deshalb mit verschiedenen Maßnahmen auffordern, ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem auch Menschen mit Behinderungen ihre Kompetenzen konstruktiv einbringen können.

Internationales

Europäische Konsultation für Aktionsplan für digitale Bildung

Die EU-Kommission fragt Lehrende und Studierende nach ihrer Meinung zu digitaler Lehre: Was hat gut funktioniert während des Digitalsemesters und wo hat es gehakt? Welche Rolle soll digitale Bildung in Zukunft in europäischen Institutionen spielen? Bis zum 4. September kann jede*r Bürger*in und jede Institution an der öffentlichen Konsultation teilnehmen. Der Input soll dann in den erneuerten Digital Education Action Plan einfließen. Die Online-Befragung läuft bis zum 4. September 2020.

Verschiedenes

Sonderbefragung "Studieren in Corona-Zeiten"

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und die AG Hochschulforschung der Universität Konstanz führen - mit Förderung des BMBF - eine Befragung zur besonderen Lern- und Lebenssituation der Studierenden in der Corona-Pandemie durch. Die Befragung „Studieren in Zeiten von Corona“ ist am 15.6.2020 gestartet und läuft bis zum 31.7.2020. Die Einladung zur Teilnahme an der Befragung wird durch die beteiligten Hochschulen versandt. Die Möglichkeit der Auswertung nach Behinderung/chronischen Erkrankung ist gegeben.

Online-Veranstaltungen barrierefrei gestalten

Domingos de Oliveira, Experte für barrierefreies Internet, hat einen Leitfaden zur barrierefreien Gestaltung von Online-Veranstaltungen veröffentlicht. Der Leitfaden sei ein erster Einstieg, der nach und nach durch weitere Erfahrungen erweitert werden soll. Leser*innen sollen angeregt werden, eigene Ideen zu barrierefreien Online-Veranstaltungen zu entwickeln.

Barrierefreie Workouts

Das Projekt ActivityKIT des Karlsruher Instituts für Technologie hat auch Studierende mit Sehbeeinträchtigung im Blick. Es wurde eine Linksammlung klar und umfangreich beschriebener Workouts veröffentlicht, die auch von sehbeeinträchtigten Menschen gut genutzt werden können.

Publikationen

Nachteilsausgleiche als prüfungsrechtliche Bausteine einer inklusiven Hochschule

Prof. Ennuschat setzt sich in dem Artikel kritisch mit der gängigen Rechtsprechung zu Nachteilsausgleichen auseinander, stellt relevante rechtliche Entwicklungen zur Teilhabesicherung dar und skizziert Eckpunkte für eine Neuausrichtung der prüfungsrechtlichen Praxis. Er stellt klar, dass aufgrund des grundgesetzlich geregelten Benachteiligungsverbots wie des Verbots auf Diskriminierung nach der UN-BRK ein Nachteilsausgleich bei Vorliegen der tatbestandlichen Anspruchsvoraussetzungen nur dann verwehrt werden kann, wenn der Prüfungszweck dies zwingend erfordert. Der Autor ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, insb. Verwaltungsrecht der Ruhr-Universität Bochum und hat 2019 im Auftrag des Deutschen Studentenwerks ein Rechtsgutachten zu Nachteilsausgleichen für Studierende mit Behinderungen erstellt.

Barrierefreie Leit- und Orientierungssysteme

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Konzeption barrierefreier Leit- und Orientierungssysteme. Er stellt das Modell der TU Darmstadt vor und diskutiert dessen Stärken und Schwächen. Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Vortrag, den Prof. Dr.-ing. Sabine Hopp bei der Fachtagung "Forum Hochschulbau - Weg frei! Für eine Hochschule ohne Barrieren" des HIS-HE Instituts für Hochschulentwicklung Hannover am 11. September 2018 gehalten hat. 

Barrierefreie Bildungseinrichtungen

Die Publikation beschreibt detailliert die Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Bildungseinrichtungen. Dabei geht es ebenso um Rampen, Akustik und Farbgestaltung wie um Informationssysteme und Arbeitsplatzgestaltung. Zugleich ruft der Autor mit seiner Publikation zum interdisziplinären Diskurs auf, um z.B. zeitgemäße Kriterien für eine lernförderliche und barrierefreie Beleuchtung zu formulieren,um Bodenbeläge zu finden, die Sicherheit und Orientierung unterstützen, dabei aber nicht ablenken und verunsichern, und Bewegungsflächen festzusetzen, die den Besonderheiten der Nutzung in Bildungssettings gerecht werden.

Studium und Behinderung in den Medien

Podcast: trotz ms ... studieren

Beim "trotz ms DER PODCAST" dreht sich alles um das Leben mit Multipler Sklerose. In der ersten Podcast-Folge erzählt MS-Patientin und Instagram-Bloggerin Mo, was sie dazu antreibt, sich trotz Höhen und Tiefen ihren Traum vom Jurastudium zu verwirklichen.

Forschung & Lehre: Planung ist das A und O

Bernd Irlenbusch ist Professor für Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsethik an der Universität zu Köln - und kleinwüchsig. In dem Beitrag geht es um seinen Weg in die Wissenschaft, erfolgreiche Kämpfe gegen Barrieren und seinen Inklusions-Optimismus.

wuppertaler rundschau: Es ging ihm auch um die Barrieren in den Köpfen

Von Dezember 2014 bis Mai 2020 war Erwin Petrauskas Senatsbeauftragter der Bergischen Universität Wuppertal für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Die Zeitung würdigt sein Engagement für die Studierenden. Neben der individuellen Unterstützung ging es ihm dabei auch immer um den Abbau von Barrieren - baulichen wie denen in den Köpfen.

Termine

Orientierungswoche für blinde und sehbehinderte Studieninteressierte

Termin: 14. bis 16. Oktober 2020
Ort: Dresden
Veranstalter: TU Dresden
Zielgruppe: blinde/ sehbehinderte Studieninteressierte

Während der dreitägigen Veranstaltung erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in das Studium an der TU Dresden und die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen. Das Angebot beinhaltet Informationsveranstaltungen und Kleingruppen-Workshops, die von den Inhalten bestimmter Studiengänge über Mobilität und Campusleben vielseitige Themen abdecken. Erfahrungsberichte zu ausgewählten Studiengängen geben persönliche Einblicke in das Studium. Gemeinsame Freizeitaktivitäten runden das Kennenlernen der Stadt ab.

Die Veranstaltung findet als Präsenzveranstaltung statt (vorbehaltlich aktueller Corona-Regelungen). Die Teilnahme, einschließlich Übernachtung, Teilverpflegung und Ausflüge, ist kostenlos.

Teilnahmeinteressierte können sich formlos per E-Mail bewerben: [email protected]. Ansprechpartnerin ist Christin Engel.

16.07.2020