Internationalisierung

Stellungnahme des Deutschen Studentenwerks (DSW) zur Internationalisierung der Hochschulbildung

Das Deutsche Studentenwerk begrüßt ausdrücklich die Internationalisierungsziele von Bund und Ländern sowie des DAAD, insbesondere das Vorhaben, die Zahl ausländischer Studierender bis 2020 auf 350.000 zu steigern, und den Studienerfolg auf das Niveau der deutschen Studierenden heute, auf 75%, anzuheben.

Deutschland ist für internationale Studierende attraktiv, es steht nach den USA und Großbritannien auf Platz 3 als wichtigstes Gastland für international mobile Studierende weltweit (OECD 2013). Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Bildungsausländer in Deutschland um knapp 60% von 113.000 auf 193.000 in 2012 gestiegen.

Dennoch sind die Ziele ambitioniert: aktuell brechen fast 50% der internationalen Studierenden in Deutschland ihr Studium vorzeitig ab. Die einschlägigen Untersuchungen von HIS/DZHW zeigen, dass die Gründe auch in einer fehlenden Übergangsphase ins eigenaktive Studieren, der ungenügenden Integration und dem fehlenden Kontakt mit deutschen Kommilitonen sowie in Studienfinanzierungsproblemen liegen. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks bestätigt seit Jahren den dringenden Handlungsbedarf in diesen Aktionsfeldern.

Die von Bund, Ländern und dem DAAD forcierte Internationalisierung des Hochschulstandorts Deutschland kann also nicht ohne die Studentenwerke gelingen, denn diese tragen als Dienstleister für die soziale Infrastruktur maßgeblich zum Studienerfolg internationaler Studierender, zur Willkommenskultur in Deutschland, zur sozialen Integration und insoweit zur internationalen Attraktivität des Hochschulstandorts Deutschland bei:

-           Die Studentenwerke betreiben knapp 80% aller Wohnheimplätze in Deutschland und sind Gastgeber für im Schnitt 33% ausländische Wohnheimbewohner; vielfach liegt die Quote internationaler Bewohner im Wohnheimbereich sogar deutlich höher.

-           Die Studentenwerke bieten ein abwechslungsreiches, gesundes und kostengünstiges Verpflegungsangebot in den Mensen und Cafeterien, das zunehmend an internationalen Standards ausgerichtet ist.

-           Die Beratungsleistungen der Studentenwerke zur Studienfinanzierung sind für internationale Studierende von zentraler Bedeutung.

-           Ebenso unterstützen die Studentenwerke Studierende aus verschiedenen Ländern durch psychologische und soziale Beratung in Krisen, finanziellen Notlagen oder schwierigen Lebenssituationen und halten entsprechende Notfallhilfen bereit.

-           Die Studentenwerke halten ein breites Spektrum an interkulturellen Integrationsangeboten bereit.

-           Die Studentenwerke betreuen Kinder von Studierenden und Wissenschaftlern aus aller Welt in ihren Kindertagesstätten.

Wenn im Jahr 2020 350.000 ausländische Studierende in Deutschland studieren und der Studienerfolg auf 75% gesteigert werden soll, braucht es deshalb eine solide Ausfinanzierung der Service- und Beratungsangebote der Studentenwerke:

  • Bau zusätzlicher Wohnheimplätze/Integration im Wohnheim: Ausländische Studierende sind in besonderem Maße auf die kostengünstige und integrationsfördernde Unterbringung im Wohnheim angewiesen. Um dieses Angebot bei steigenden Studierendenzahlen insgesamt zu halten, ist jetzt die Umsetzung des vom DSW seit mehreren Jahren geforderten Bund-Länder- Programms mit der Förderung von mindestens 25.000 Wohnheimplätzen dringend erforderlich. Kommen tatsächlich so wie in der GWK-Strategie im April 2013 gefordert 100.000 ausländische Studierende mehr hinzu, wird eine weitere deutliche Aufstockung erforderlich sein. Zurzeit leben rund 40% der Bildungsausländer im Wohnheim (vgl. DSW-Sozialerhebung). Flankierend sind zusätzliche Integrationsangebote innerhalb der Wohnheime zur Vermeidung von Isolation bzw. Ghettoisierung erforderlich, die ebenfalls nachhaltig finanziert sein müssen.

 

  • Ausbau der Beratungsleistungen: Zusätzlich zum bestehenden ist ein flankierendes Beratungsangebot seitens der Studentenwerke erforderlich, das auf den Bedarf ausländischer Studierender zugeschnitten ist (wie Sozialberatung, psychologische Beratung, Studienfinanzierungsberatung etc.). Um ein qualitativ gutes Beratungsangebot für deutsche und ausländische Studierende anbieten zu können, muss das bestehende Beratungsangebot flächendeckend ausgebaut werden, in dem zusätzliche Stellen in den Beratungsstellen der Studentenwerke geschaffen werden. Da Beratungsangebote für die Nutzer kostenlos sein müssen, braucht es auch hier eine jährliche Zusatzfinanzierung. Zudem bedarf es Hilfen für die Mittelvergabe in finanziellen Notsituationen.

 

  • Ausbau des (kulturellen) Integrations- und Informationsangebots: Die bestehenden Angebote der Studentenwerke für ausländische Studierende wurden bislang oftmals auf Basis einer zeitlich befristeten und auslaufenden Projektfinanzierung realisiert (STIBET, PROFIS, PROFIN). Bund und Länder sind gefordert hier eine dauerhafte Finanzierung zu schaffen, die den tatsächlichen Anforderungen gerecht wird.

 

  • Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen: 11% der internationalen Studierende sind Eltern (vs. 5% der deutschen Studierenden). Die Zahl vorhandener Kitaplätze muss ebenso wie interkulturelle Fortbildungsmöglichkeiten für Kita-Mitarbeiter/innen erheblich gesteigert werden.

Für diesen Ausbau der sozialen Infrastruktur sollten bis zum Jahr 2016 die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt sein.

Das DSW und die Studentenwerke in Deutschland werden sich auch weiterhin für die Internationalisierung der Hochschulbildung in Deutschland engagieren, und schlagen deshalb eine konzertierte Aktion aller wichtigen Akteure insbesondere der Politik, der Hochschulen und der Studentenwerke vor, um die Internationalisierungsziele in konkreten Maßnahmen abzusichern.

Nur so können die von Bund und Länder bis 2020 angestrebten Internationalisierungsziele erreicht, und die internationale Attraktivität des Hochschulstandorts Deutschland langfristig gesichert werden.

09.04.2014