Studentisches Wohnen

Hochschulsozialwerk Wuppertal stellt fünf Wohnheime in Passivhaus-Bauweise fertig

Das Baugrundstück des neuen Studenten­wohnheims des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal an der Max-Horkheimer-Straße 160 – 168

gehörte zu den Reserveflächen der Hochschule. Der dem Hochschul-Sozialwerk verkaufte Randstreifen galt wegen des sehr schmalen Zuschnitts und der extremen Hanglage (18 m Höhendifferenz) lange als kaum bebaubar. Den beauftragten Architekten von „ACMS_ Architekten GmbH“ aus Wuppertal ist das Kunststück gelungen, diese standortspezifischen Heraus­forderungen ins Positive zu wenden: Die Hanglage wird genutzt zur höhenversetzten Erschließung der Häuser und zur Minimierung von Verkehrsflächen.

Die extreme Enge des Grundstücks wird mittels klug gestalteter landschafts­gärtnerischer Grenzüberschreitung kompensiert. Das Grün der angrenzenden Kleingartensiedlung fließt so zwischen den Häusern in die Außenanlagen der fünf Studentenwohnheime. Auf bienenfreundliche Sträucher wurde ebenso geachtet wie auf heimische Obstsorten und schmackhafte Kräuter, die von den Bewohnern geerntet werden können.

Die Planung der ACMS_ Architekten erreichte im Rahmen der „Forschungsinitiative Zukunft Bau“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit die höchste Innovationsstufe im Rahmen der Förderung von sogenannten „Vario-Wohnungen“. Im Rahmen dieses Forschungsprogramms zum nachhaltigen und bezahlbaren Bauen wurde in Wuppertal ein Modulsystem entwickelt, mit dem Individualräume über unterschiedliche Gemeinschaftsbereiche geschaltet werden können - vom Einzelappartement bis zur 6-Personen-WG.

Die profilierten Fassadentafeln legen sich wie ein unterschiedlich weit geöffneter Vorhang über die Grundstruktur. Dies schafft einen Ausgleich zwischen Offenheit und Abschirmung für die einzelnen Wohnbereiche. Es wird eine sehr differenzierte Gestaltung des Gebäudes geschaffen, die jedem Typus ein eigenes Gesicht gibt.

Die fünf Studentenwohnheime des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal erreichen „Goldstatus für besondere Nachhaltigkeit“. Diese Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB e.V. stellt im öffentlich geförderten Wohnungsbau eine Ausnahme dar. Mit dieser Auszeichnung werden Gebäude gekennzeichnet, die in allen Kategorien der Nachhaltigkeit in besonderer Weise überdurchschnittliche Qualität vorweisen können. Dazu zählen etwa: 

  • die Reduzierung des Wohnflächenverbrauchs um 40% im Vergleich zum Bundesdurchschnitt
  • die Nutzungsebenen können ohne Eingriffe in die Tragstruktur umorganisiert werden
  • mittels Passivhaus- und KfW-40-Standard wurde der Energiebedarf auf 40% der EnEV-Anforderungen reduziert - durch den Anschluss an das am Grundstück vorbeilaufende Fernwärmenetz (Abwärme Müllverbrennung) erfolgt eine umweltfreundliche Energieerzeugung
  • ökologische Gestaltung der Außenräume mit Dachbegrünung, reduzierter Versiegelungsfläche und „Urban Gardening“
  • ca. 70% der Wohneinheiten sind barrierefrei, die übrigen sind vorgerüstet
    der Bedarf an „grauer Energie“ wird über Holztafelkonstruktionen und Leichtbauweisen maßgebend reduziert, die Einsparung in den Fassadenkonstruktionen liegen beispielsweise bei über 200 Tonnen CO2
  • Schaffung von Gemeinschaftsflächen in den Gebäuden und in den Freiflächen
  • mittels E-Mobilität, Sharing-Konzepten und ÖPNV kann der Stellplatzbedarf für die Wohnanlage auf 20% reduziert werden.

In den fünf Baukörpern - vier davon mit drei Etagen, das obere Haus mit sechs Etagen - entstanden 132 großzügige, studentische Wohnplätze in unterschiedlichen Wohnformen - als Einzel- und Doppelapartments sowie als 4-er und 6-er Gruppenwohnungen.

Jedem Bewohner stehen knapp 30 qm zur Verfügung. Die 16 Einzelappartements verfügen über eine eigene Küchenzeile, in den 22 Zweierappartements, den 4er- und 6er-Appartements ist diese im Gemeinschaftsbereich untergebracht. Wichtig: Zu jedem Zimmer, auch in den Gruppenwohnungen, gehört eine eigene Dusche und Toilette. Die Appartements sind mit barrierefreien Bädern ausgestattet. Die monatliche Miete – all inclusive, auch superschnelles Internet – beträgt 289,-€/Monat.

Die Kosten belaufen sich auf 15 Millionen Euro. 1,92 Millionen Euro davon erhielt das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal als Zuschuss des Bundes-Bauministeriums im Rahmen von dessen „Vario-Förderprogramm“. Aus dem Kontingent der Stadt Wuppertal für sozialen Wohnungsbau bewilligte die NRW-Bank ein Darlehen von rund 3,1 Millionen Euro Darlehen.

27.08.2020