Studentisches Wohnen

Tiny Houses des Studentenwerks Schleswig-Holstein fertiggestellt

Die Bewohner*innen des „Edo-Osterloh-Hauses“ stecken neugierig ihre Köpfe aus dem Fenster. Zahlreiche Gäste tummeln sich auf einer Grünfläche zwischen den Gebäuden des Studierendenwohnheims im Steenbeker Weg. Denn heute ist der große Tag gekommen: Die Tiny Houses sind fertig. Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission, berichtet den Umstehenden schmunzelnd: „Als ich damals meinem Team die Idee vorgestellt habe, hat noch niemand geglaubt, dass wir das Ganze wirklich umsetzen. Heute ist aus einer Vision Realität geworden. Eine Realität, die unter anderem durch die tatkräftige Unterstützung regionaler Handwerksbetriebe und großzügige Spenden möglich gemacht wurde.“

Karin Helmer hofft, dass das Projekt in die Öffentlichkeit ausstrahlt und viele Menschen zu gesellschaftlichem Engagement bewegt. „Wir brauchen Vermieter*innen, die bereit sind, unseren Klient*innen ein Dach über dem Kopf anzubieten.“ Für Maike Briege, Abteilungsleiterin Facility Management und Bau beim Studentenwerk SH, war es selbstverständlich, ein passendes Grundstück für die Tiny Houses bereitzustellen. „Als Anbieterin von studentischem Wohnraum kennen wir die Problematik der Wohnungsnot gut“, erklärt sie. „Wir können durch die Tiny Houses das Grundproblem zwar nicht lösen, aber wir können ein Zeichen setzen.“ Maike Briege ist sich zudem sicher, dass die beiden Bewohnerinnen voneinander lernen und partizipieren können.

Ein schönes Zuhause haben die Frauen nun allemal: Schlafzimmer, Pantry-Küche, Wohn-/Arbeitsbereich und ein separates Duschbad – die beiden 25 Quadratmeter großen, möblierten Tiny Houses bieten alles, was das Herz begehrt. Sogar eine Terrasse. „Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat und ich nun endlich meine eigenen vier Wände habe“, sagt die 19-jährige Merethe aus Bad Bramstedt bei der Fertigstellungsfeier lächelnd. Sie studiert im dritten Semester Politikwissenschaft und Empirische Sprachwissenschaft an der Uni Kiel. „Meine Zwillingsschwester hat direkt ein Zimmer in einem Wohnheim ergattert. Ich war fast ein Jahr auf Wohnungssuche.“

In das Tiny House nebenan zieht die 30-jährige Annika ein. Sie hat aufgrund familiärer Umstände seit Jahren keinen festen Wohnsitz mehr, wurde durch die Frauenberatungsstelle der Stadtmission in Notunterkünften untergebracht und dann auf das soziale Wohnprojekt „Tiny House“ aufmerksam gemacht. „Erst war ich etwas skeptisch, aber nun bin ich sehr glücklich, dass es so gekommen ist“, erzählt sie. Das Tiny House biete ihr Freiheit und Sicherheit. Außerdem habe die ehemalige Kunstgeschichte-Studentin nun die Chance, sich auf ihre Leidenschaft, das Malen, und ihren Berufseinstieg zu konzentrieren. Eine Staffelei und eines ihrer Bilder sind bereits in ihr neues Mini-Haus eingezogen.

Merethe und Annika haben sich schon vor ein paar Tagen kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Beide sind dankbar, Teil dieses besonderen sozialen Projekts für wohnungslose Frauen zu sein. Anderthalb Jahre können sie nun in den Tiny Houses wohnen und sich von hier aus in Ruhe etwas Langfristiges suchen. Merethe denkt bereits über gemeinsame Kochabende mit Annika nach und meint: „Daraus kann eine Freundschaft entstehen.“

Über das Projekt:

Mit den Tiny Houses wird zwei Frauen aus unterschiedlichen Lebenswelten ein Zuhause gegeben: einer wohnungslosen Klientin der Stadtmission und einer Studienanfängerin. Beide haben es schwer, in Kiel eine bezahlbare Unterkunft zu finden, beiden dient der Einzug in die Tiny Houses als Sprungbrett: Für die eine ist es ein erster Schritt aus der Wohnungslosigkeit, für die andere eine erste Wohnmöglichkeit, um von hier aus etwas Langfristiges zu finden. Nach 1,5 Jahren soll ein neues Tandem einziehen.

02.11.2021