Studentisches Wohnen

Bundesbauministerin Klara Geywitz besucht Studierendenwerk Aachen

Zeit bei einem relativ spontanen Besuch hat eine viel beschäftigte Ministerin naturgemäß nicht – doch ließ sich Klara Geywitz es sich nicht nehmen, sich einen Eindruck des studentischen Lebens in einem typischen Aachener Studierendenwohnheim zu verschaffen. Nach einer Zimmer- und Küchenbesichtigung gab es zur großen Freude aller Anwesenden sogar noch die Gelegenheit für einen Austausch mit den anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern, Studierendenvertretern und dem Studierendenwerk.

Besonders wichtig war der Ministerin, deren Schwerpunkt beim sozialen und klimagerechten Wohnungsbau liegt, der persönliche Dialog mit den Studierenden. Sie interessierte sich für Wünsche, Erfahrungen und Bedürfnisse, die bei der Entwicklung neuer tragfähiger Wohnkonzepte auch im Hinblick auf das Thema Stadtentwicklung eine große Rolle spielen. Die Studierenden betonten, wie wichtig Gemeinschaftsräume für Begegnung sind, speziell Corona habe gezeigt, dass die Möglichkeiten des sozialen Austausches in einem Wohnheim von hoher Bedeutung seien. Darüber hinaus berichteten sie von der grundsätzlichen Überlastung des Aachener Wohnungsmarkts und der Schwierigkeit für unvermögende Studierende, bei rund 4.000 Bewerber*innen günstigen Wohnraum beim Studierendenwerk zu erhalten. Die neu entstehenden „Micro-Apartments“ privater Anbieter seien aufgrund ihrer horrenden Mietpreise nur etwas für Studierende aus vermögenderen Haushalten, erzählte beispielsweise Ole Lee, Sozialreferent des AStA der RWTH.

Auch die Ministerin sieht den Bedarf: „Laut dem Deutschen Studentenwerk fehlen rund 25.000 Wohnheimplätze. Deswegen ist es wichtig, dass ein Teil der für 2022 festgelegten Fördermittel im sozialen Wohnungsausbau auch den Studierendenwerken zukommt.“ Sie verwies jedoch darauf, dass hier die Länder in der Verantwortung stehen, die zur Verfügung stehenden Mittel bedarfsgerecht einzusetzen.

Natürlich richtete die Ministerin auch Fragen an den Geschäftsführer des Studierendenwerks, Sebastian Böstel. Hier interessierte sie vor allem die vorhandenen Raumkonzepte in den 24 StW-Wohnanlagen, aber auch, welche neuen Ideen für studentisches Wohnen in Aachen umsetzbar sind und wie sich die Grundstücks- und Baukostensituation gestaltet. Sebastian Böstel berichtete, dass die Studierendenwerke bei der Vergabe von Landesflächen nicht zu den „bevorzugten Adressaten“ gehörten und hier Preise zum Tragen kämen, die kilometerweit von sozialen Aspekten entfernt seien. „Das macht den Bau von neuen Wohnheimen natürlich umso schwieriger, sodass wir auf die wenigen eigenen Flächen zurückgreifen müssten“, so Böstel. Diese seien aber nicht immer für eine Nutzung geeignet und erforderten spezielle Baukonzepte. Er räumte auch ein, dass es in Zukunft adäquate Finanzierungsangebote geben müsse. Die vorhandenen liefen insbesondere bei den Studierendenwerken ins Leere, das müsse sich auf Landesseite dringend ändern.

Viel Input nahm die Ministerin mit, als sie sich gegen neun Uhr wieder auf den Weg machte. Zum Schluss waren sich alle Beteiligten einig: Es war ein gewinnbringender Austausch im Rahmen einer lockeren Gesprächsrunde, bei der sich die Ministerin sehr interessiert, bodenständig und nahbar zeigte. Sie vermittelte, dass sie sich bei ihrem Auftrag im Ministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen auch um die Belange der Studierenden kümmert.

07.03.2022