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Hochschulforschung

Studien belegen: Bund und Länder müssen soziale Infrastruktur stärken

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) zieht aus den drei Bildungsstudien, die in dieser Woche erschienen sind, einen klaren Schluss: Bund und Länder müssen endlich gemeinsam die soziale Infrastruktur des Studiums stärken.

„Wir brauchen zuvorderst und dringend zusätzliche, preisgünstige Wohnheimplätze. Eine höhere Wohnpauschale beim BAföG käme zwar den BAföG-Empfängern zugute, jedoch nicht den vielen Studierenden, die ohne BAföG auch nicht mehr Geld zur Verfügung haben. Eine erhöhte BAföG-Wohnpauschale belastet den Bundeshaushalt zudem dauerhaft, ein über vier Jahre gestrecktes Investitionsprogramm für zusätzliche, preisgünstige Wohnheimplätze dagegen nicht“, erklärt DSW-Präsident Prof. Dr. Dieter Timmermann. „Und es wirkt nachhaltiger, indem es die Wohnungsmärkte in Hochschulstädten entlastet.“

Timmermann reagiert damit auf Schlussfolgerungen, die die Autorinnen und Autoren des „Hochschul-Bildungs-Reports“ ziehen, den der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das Beratungsunternehmen McKinsey am 11. Juni 2014 vorgelegt haben. Sie schlagen vor, die Wohnpauschale beim BAföG von derzeit 224 Euro im Monat auf bis zu 298 Euro zu erhöhen; dies würde Mehrkosten von bis zu 208 Millionen Euro im Jahr bedeuten.

Dem hält DSW-Präsident Timmermann entgegen: „Mit einem Bundes-Zuschussanteil von 180 Millionen Euro im Jahr könnten allein in den kommenden vier Jahren 45.000 zusätzliche, preisgünstige Wohnheimplätze geschaffen werden.“

Die am 10. Juni 2014 vorgestellte, fünfte Allensbachstudie „Studiensituation 2014“, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerks, konstatiert eine „zunehmende Wohnungsnot“ und deutlich steigende Mietpreise auf dem freien Wohnungsmarkt. 81% der befragten Studierenden beklagen in der Online-Umfrage, in ihrer Studienstadt gebe es zu wenige Wohnheimplätze. „Noch ein Beleg dafür, wie dringend Bund und Länder endlich zusätzlichen, preisgünstigen Wohnraum für Studierende schaffen müssen“, kommentiert Timmermann.

Der heute von Bund und Ländern vorgelegte Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2014“ hebt unter anderem die konstant hohe Abbruchquote von 28% in den Bachelor-Studiengängen hervor. „Hier muss nicht nur studienorganisatorisch, sondern auch über den Ausbau der sozialen Infrastruktur gegengesteuert werden“, meint Timmermann.

„Es ist ein Bologna-Kernziel, die Studienabbruchquote zu senken. Neben einer studierbaren Gestaltung der Studienangebote sind Bachelor-Studierende noch stärker als Studierende in den ‚alten‘ Studiengängen auf die soziale Infrastruktur der Studentenwerke angewiesen. Sie wohnen häufiger im Wohnheim, essen häufiger in der Mensa, und fragen die Beratungsangebote der Studentenwerke wesentlich stärker nach. Insofern kann Ausbau der sozialen Infrastruktur zur Verringerung des Studienabbruch unmittelbar beitragen.“

13.06.2014