DruckversionPDF version
Hochschulpolitik

Realisierung der sozialen Dimension - Verantwortung zeigen!

 
Es ist Zeit, zu handeln. Es muss dringend eine verbindliche Handlungsgrundlage unter Teilhabe aller Stakeholder erstellt werden. Die Zuständigkeiten müssen klar definiert und kommuniziert werden.
 
Soziale Dimension muss als ein Schlüssel einer barrierefreien Hochschule verstanden werden. Dieses bedeutet, dass Hemmnisse abgebaut werden müssen, sowohl beim Zugang zur Hochschulbildung als auch während und nach dem Studium.
Die 71.ordentliche Mitgliederversammlung sieht dazu die Länder des Bologna-Raums, hier im Besonderen die Bundesrepublik Deutschland, die Bundesländer und ihre Hochschulen, in der Verantwortung. Folgende Maßnahmen sind zu ergreifen:
 

Bund und Länder:

  • Ausbau und Förderung der horizontalen und vertikalen studentischen Mobilität, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Bologna-Raums
  • Klar geregelte und bedarfsdeckende Finanzierung von Auslandsaufenthalten
  • Regelmäßige Datenerhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in den Bologna-Ländern
  • Erarbeitung und Umsetzung eines europäischen Studienfinanzierungskonzepts auf Grundlage von staatlichen Transferzahlungen
  • Aufnahme der sozialen Dimension als obligatorischen Bestandteil der Akkreditierung
  • Jegliche Studienfinanzierung muss den Mindestanforderungen, die durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz   definiert sind, entsprechen
  • Soziale Selektion muss als Problem des gesamten Bildungsspektrums erkannt werden, d.h. es ist nicht ausreichend, hier nur beim Hochschulzugang und während des Studiums gegen zu steuern
  • Ausbau der staatlichen Zuschüsse für die Studentenwerke, damit diese im Sinne der sozialen Dimension ihren Aufgaben gerecht werden können
  • Sicherstellung der Studiengebührenfreiheit als eine zentrale Voraussetzung für die studentische Mobilität im Hochschulraum Europa
  • Die Wiederanhebung  des Kindergeldalters auf 27 und entsprechende Anpassungen der  Krankenkassenregelungen
  • Aufhebung der Altersgrenze  des studentischen Tarifs in der gesetzlichen Krankenversicherung, insbesondere bedingt durch die Veränderungen beim BAföG­ Höchstalter
  • Bedarfsdeckende staatliche Finanzierung der Hochschulen und Verankerung der Hochschulbildung  als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Hochschulen:

  • Ein bedarfsdeckendes Angebot von kostenlosen Sprachkursen durch die Hochschulen
  • Eine Flexibilisierung der Studiengänge - entsprechend den Bedürfnissen von Studierenden, um diverse individuelle Lebensentwürfe und Bildungsbiografien zu ermöglichen
  • Eine erleichterte Anerkennung  von Leistungen und Qualifikationen , die außerhalb eines Studiums erworben wurden/werden
  • Die Studienberatung und deren Vernetzung mit anderen Beratungsstellen muss signifikant ausgebaut werden. Hierzu gehören auch die Beratungsangebote im Vorfeld der Studienphase
  • Gleichberechtigte Beteiligung aller Statusgruppen bei der Entwicklung von neuen Studiengängen
  • Die Fortschritte und Entwicklungen der Implementierung des Bologna-Prozesses müssen kontinuierlich evaluiert werden, um Problembereiche zu identifizieren und Fehlentwicklungen entgegenzuwirken
  • Ein nahtloser Übergang vom Bachelor zum Masterzugang muss gewährleistet werden.

Studentenwerke:

Die Studentenwerke leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Studieren in der Bundesrepublik Deutschland gelingt. Hierzu zählen unter anderem ihre derzeit 181.239 Wohnheimplätze und 788 Mensen. Daneben bieten sie durch 42 psychologische Beratungsstellen, 43 Sozialberatungsstellen und 39 Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit eine wichtige Quelle der Orientierung. Auch bei der Lebensplanung greifen die Studentenwerke durch 6.691 Kita-Plätze den Studierenden unter die Arme. Das vielfältige Kulturangebot vor Ort zählt ebenfalls zu den Leistungen der Studentenwerke. Durch Sozialfonds ermöglichen viele von ihnen auch eine Hilfe für Studierende in prekären Situationen.
Die deutschen Studentenwerke  sind ein obligatorischer Stakeholder bei der Implementierung der  sozialen  Dimension.
 
Damit dieses auch in Zukunft gewährleistet wird, sollen folgende Punkte Eckpfeiler der täglichen Arbeit  sein:
  • Eine kontinuierliche Evaluation und ein entsprechender Ausbau der sozialen Infrastruktur vor Ort.
  • Das Deutsche Studentenwerk  setzt sich für eine an den Bedürfnissen der Studierenden ausgerichtete  Studienfinanzierung ein.
  • Die Mitglieder sind sich der Verantwortung ihres Sozialauftrags  bewusst und richten ihr Handeln entsprechend aus.
  • Den Aufbau eines flächendeckenden Beratungsangebots voranzutreiben.
  • Ein besonderes Augenmerk in der täglichen Arbeit auch auf soziale Gruppen zu richten, die im Hochschulalltag  mit besonderen Hürden konfrontiert werden.

Begründung:

Seit dem Kommunique von London 2007 ist die soziale Dimension ein integraler Bestandteil des Bologna-Prozesses. Trotzdem wird die soziale Dimension durch die Politik noch immer
 
Stiefkindlich behandelt. Bemühungen, konkrete Ziele auf europäischer Ebene zu vereinbaren, waren bisher nicht erfolgreich. Die Mitgliederversammlung des DSW fordert schon seit 2002 eine europäische Sozialerhebung, um die tatsächlichen Bedürfnisse und Missstände der europäischen Studierenden adäquat beurteilen und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.
Es ist dringend notwendig, die Arbeit der BFUG Working Group Social Dimension zu stärken und auszubauen, um eine Verbesserung der sozialen Rahmenbedingung zu erreichen.
 
Aber nicht nur auf europäischer Ebene besteht ein dringender Handlungsbedarf, auch in der Bundesrepublik sind noch Verbesserungen notwendig. Um diese zu erreichen, müssen die verschiedenen Institutionen zusammenarbeiten. Bund und Länder sind dazu aufgerufen, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und dafür Sorge zu tragen, dass tatsächlich alle Menschen unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status an den Hochschulen studieren können. Die Studentenwerke haben dabei eine herausragende Rolle, weil sie im direkten Kontakt zu den Studierenden stehen und ihre Angebote vor Ort direkten Einfluss auf die Probleme der einzelnen Studierenden haben.
 
 
 
71.ordentliche  Mitgliederversammlung 
des Deutschen Studentenwerks (DSW)
am 30.11./1.12.2010
 
01.12.2010