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Hochschulpolitik

Bologna-Prozess zum Erfolg führen, Soziale Dimension stärken!

 

Die 73. ordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Studentenwerks (DSW) fordert Bund und Länder auf,

 
  • im 13. Jahr des Bologna-Prozesses nunmehr die seit langem proklamierte soziale Dimension im Bologna-Raum umzusetzen, um sowohl wie gewünscht den Zugang von Studienberechtigten aus unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen als auch generell die internationale Mobilität aller Studierender zu steigern
  • dazu endlich die Bedeutung der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Studiums als Schüsselfaktor für einen erfolgreichen Hochschulzugang bzw. erfolgreichen Studienverlauf – neben Forschung und Lehre – anzuerkennen
  • diese in den Ländern entsprechend auszubauen, um die Studierfähigkeit zu sichern und
  • ich auch auf internationaler Ebene für eine Kohäsion der sozialen Rahmenbedingungen des Studiums einzusetzen.

Begründung:

Dreizehn Jahre nach Beginn des Bologna-Prozesses ist anzuerkennen, dass die Hochschulen in Deutschland  enorme Anstrengungen  unternommen haben, um das Studiensystem auf die neuen, gestuften Abschlüsse Bachelor und Master umzustellen. Inzwischen sind rund 85% der Studiengänge umgestellt; zusätzlich haben die Hochschulen in Deutschland seit den Studierendenstreiks im Jahr 2009 ihre Studiengänge in einer Reform der Studienstrukturreform wesentlich studierendenzentrierter ausgerichtet.
 
Trotz der Umstellung zeigen sich weiterhin erhebliche Umsetzungsschwierigkeiten, die nicht nur den Hochschulen anzulasten sind:
 
  • Die Studienabbruchquoten verbleiben generell weiterhin auf hohem Niveau, auch wenn sie zwischen den einzelnen Fächern variieren.
  • Ein Großteil der Studierenden überschreitet weiterhin – zum Teil erheblich – die Regelstudienzeit.
  • Aufgrund der unzureichenden wirtschaftlichen Förderung unterliegen  viele Studierende oft erheblichen Zielkonflikten zwischen Studienorganisation und zur Studienfinanzierung notwendiger Erwerbstätigkeit.
  • Zusätzlich haben – unterlegt durch Studien – der individuell gefühlte sowie der objektive Druck auf die Studierenden erheblich zugenommen.
  • Einher gehen mit diesen Entwicklungen eine höhere Beratungsnachfrage und ein höherer Nutzungsgrad der Beratungseinrichtungen von Studentenwerken, Hochschulen und Allgemeinen Studierendenschaften v.a. durch Bachelor- Studierende.
  • Die Auslandsmobilität ist vor allem im Bachelor erheblich zurückgegangen und konterkariert damit das proklamierte Ziel einer Erhöhung der Mobilität.
  • Zudem ist sie – mit Ausnahme bei BAföG-Empfängern aufgrund der Verbesserung der Mitnahmefähigkeit ins Ausland – weiterhin stark herkunftsabhängig.
Viele der genannten Umsetzungsschwierigkeiten des Bologna-Prozesses in Deutschland liegen nicht allein in Schwächen der Lehre oder der Studienorganisation begründet. Vielmehr sind hier gute wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen, explizit gut ausgebaute Service- und Beratungsangebote von Studentenwerken, Hochschulen und Allgemeinen Studierendenschaften gefordert. Deren Ausbau stand aber bislang kaum im Fokus der Bologna-Reformen. Dabei wurde bereits vor der Bologna-Reform immer wieder deutlich, in welchem Maße die sozialen Rahmenbedingungen des Studiums über die mittelbare sowie die unmittelbare Förderung von Studierenden den Schlüssel für einen erfolgreichen Hochschulzugang – auch aus eher unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen – und einen erfolgreichen Studienverlauf bilden, sowohl national als auch international. Dies gilt auch im Hinblick auf das proklamierte Ziel der erheblichen Steigerung der Mobilität von Studierenden bis 2020: Solange die Kohäsion der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen nicht gemeinsam von den Bologna-Staaten angegangen wird, werden erheblich divergierende Service- und Beratungsangebote weiterhin eine Mobilitätsbarriere darstellen.
 
 
73. ordentliche Mitgliederversammlung
des Deutschen Studentenwerks (DSW)
am 4./5.12.2012
 
05.12.2012