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BAföG

BAföG umgehend anpassen

Ein historischer Tiefstand beim Anteil der geförderten Studierenden, keine empirisch belastbare Bedarfsermittlung, zu niedrige Sätze: Für Prof. Dr. Dieter Timmermann, den Präsidenten des Deutschen Studentenwerks, ist die umgehende Anpassung der BAföG-Sätze sowie eine Reform des BAföG in dieser Legislaturperiode erforderlich.

Auf der Jahresversammlung der im Deutschen Studentenwerk (DSW) organisierten 58 Studenten- und Studierendenwerke, die das Studierenden-BAföG umsetzen, sagte Timmermann am 6. Dezember 2017 in Berlin:

„Wir haben so viele Studierende wie noch nie – aber nur noch 18% BAföG-Geförderte. Das ist ein historischer Tiefstand!

Die jüngste BAföG-Erhöhung zum Wintersemester 2016/2017 hat kaum gegriffen, denn die BAföG-Bedarfssätze und die Elternfreibeträge sind weiterhin zu niedrig. Weil das BAföG nicht reicht, jobben die Studierenden noch mehr.

Auch entspricht das BAföG nur für einen geringer werdenden Teil noch voll der Lebenswirklichkeit der Studierenden, ebenso wenig Veränderungen des Hochschulrechts, zum Beispiel kann das Teilzeitstudium nicht gefördert werden. Überall wird das Lebenslange Lernen propagiert – aber im BAföG existieren weiterhin Altersgrenzen sowie ein noch aus Vor-Bologna-Zeiten stammender Leistungsnachweis nach vier Semestern.

Und 37% der Studierenden mit niedriger Bildungsherkunft stellen aus Angst, sich zu verschulden, erst gar keinen BAföG-Antrag – dabei ist das BAföG gerade für sie gedacht, und das zinslose Darlehen endet bei maximal 10.000 Euro – eine mögliche Verschuldung ist damit kalkulierbar, im Gegensatz zu vielen Krediten.“

Timmermann fordert eine jede neue Bundesregierung dringend zum Handeln auf: „Das BAföG muss regelmäßig erhöht werden, für das BAföG muss dringend stärker geworben werden, und zusätzlich muss in der Legislaturperiode eine Lebenswirklichkeit gerechte Reform angegangen werden.“

Die rund 150 Delegierten aus den Studenten- und Studierendenwerken unterstützen Timmermann ausdrücklich; sie verabschiedeten auf der DSW-Mitgliederversammlung einen ganzen Katalog von Forderungen und Reformvorschlägen zum BAföG.

 

Hintergrund:

Derzeit erhalten 18% der Studierenden BAföG. Der durchschnittliche Förderungsbetrag lag im Jahr 2016 bei 464 Euro im Monat; Studierende können mtl. maximal 735 Euro BAföG erhalten. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt haben Studierende 918 Euro im Monat zur Verfügung. Die Kosten fürs BAföG, Schüler/innen und Studierende zusammen, trägt seit Anfang des Jahres 2015 der Bund. Sie lagen im Jahr 2016 für die Studierenden bei 2,099 Mrd. Euro. Ende Mai 2017 hat das Deutsche Studentenwerk eine Modellrechnung für die empirisch saubere Berechnung des studentischen Bedarfs vorgelegt.

06.12.2017